Vis a Vis Danzig

Recht frisch aus der Druckerpresse kommt die „Aktualisierte Neuauflage 2017/2018“ des Reiseführers Danzig aus dem DK-Verlag.
Seit dem Jahr 2000 gab es die deutsche Ausgabe des Buches und seither hat sich in Danzig und Ostpommern in der Tat viel verändert, was eine Neubearbeitung notwendig machte. Leider ist der Reiseführer aber trotz des Untertitels „aktualisierte Neuauflage“ nicht so aktuell, wie man es sich wünschen würde und erwarten müsste. Erst auf Seite 99 gibt es darin zwar einen Hinweis auf das „Museum des Zweiten Weltkrieges“, es ist aber zu lesen, dass das Museum noch nicht eröffnet sei und die Mottlaubrücke am Bleihof, die bereits im Frühjahr 2017 eröffnet
wurde, gibt es im Buch überhaupt nicht. Man wird bei allen Rundgängen auf die Krantorfähre verwiesen, wenn man
die Stadt vom anderen Ufer der Mottlau sehen möchte. Auch bei den Fotos hat der Verlag am falschen Ende gespart und keine neuen Bilder anfertigen lassen.Die Neubauten der letzten 15 Jahre fehlen auf den Bildern und man sieht Baulücken, die lange gefüllt sind. Man findet zum Beispiel auch eine Innenaufnahme der Katharinenkirche und darunter den Text: „Auch die 1944 ausgelagerte Innenausstattung der dreischiffigen Kirche steht wieder an Ort und Stelle“. Der Brand der Kirche 2006 und die Tatsache, dass alle Kunstschätze seither wieder ausgelagert sind, ist leider nicht die einzige Veränderung, die man in der Redaktion des Buches verschlafen oder nicht nachkontrolliert
hat. Die Bartholomäuskirche wird seit 1997 von der griechisch-katholischen Gemeinde genutzt und ist kein Ausstellungsraum, die Große Mühle ist kein Shoppingcenter mehr. Sie wird gerade als neues Quartier des Bernsteinmuseums umgebaut. Alles Informationen, die man gar nicht vor Ort nachkontrollieren müsste. Internetrecherche täte genügen. Etwas besser recherchiert hat man im Verlag zum Thema Restaurants und Cafés. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass Danzigs Gastronomie – mit wenigen altbekannten Ausnahmen – einem stetigen Wandel obliegt. Wohl deshalb verzichtet der Reiseführer weitgehend darauf Kneipen namentlich zu
empfehlen. Positiv zu erwähnenist ist beim Vis à Vis, dass auch Orte und Gebäude beschrieben und in den Touren aufgesucht werden, die in anderen Büchern nicht einmal Erwähnung finden. Auch die ausführlichen Beschreibungen
und Reisevorschläge in die Kaschubei, nach Hela ins Danziger Werder oder sogar zum Frischen Haff sind in Reiseführern für Danzig selten und in diesem Buch sehr ausführlich. Die guten Zusatzinformationen, die wir bislang bei allen vorgestellten Büchern der Reihe lobend erwähnt haben, gibt es natürlich auch im Band
Danzig, Stadtplan und ein Linienplan der Straßenbahn sind auch vorhanden. Deshalb muss man das Buch für Danzig-Reisende auf alle Fälle empfehlen, bei allen inhaltlichen Schlampereien der Redaktion.
Vis-à-Vis Reiseführer Danzig & Ostpommern, Dorling Kindersley Verlag, 296 Seiten, über 900
farbige Fotos, 3-D-Zeichnungen und Grundrisse, 23,00 Euro, ISBN 978-3-7342-0145-5