Wir Strebermigranten

Deutschland und Polen Ende der 1980er Jahren. Viele Polen fliehen in die BRD. So beginnt auch das neue Leben der Familie Śmiechowski. Eine schnelle Operation (die Eltern der Autorin sind Ärzte) ohne Schmerzmittel an der Seele der 4-köpfigen Familie: neue Sprache, neue Staatsangehörigkeit, neuer Name. Wer das Buch von Peter Oliver Loew gelesen hat (vgl. adalbertusforum 49/50 Seite 36/37), findet in den „Strebermigranten“ die Bestätigung seiner These der unsichtbaren Polen.
Wir Strebermigranten ist auch ein Buch, in dem die Autorin das damalige Schicksal der Polen mit dem Schicksal der heutigen Flüchtlinge aus Afrika oder Asien vergleicht. Den Begriff Flüchtling verwendet sie, weil sie offen zugibt, dass ihre Familie aus rein materieller Überlegung nach Deutschland kam und nicht aus „Heimatliebe“. Und sie beschreibt ein kaum bekanntes Phänomen: die Polen, waren dann in den 90er Jahren in den Augen der DDR-Flüchtlinge eine „schlechtere Kaste“, die konnten schließlich ja gar kein Deutsch im Gegensatz zu den Ostdeutschen. Auch Integrationskurse gab es damals nicht – Wofür denn, meinte der Staat?
Die Polen waren ja als Deutsche hier und kamen ja doch aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Die Geschichte der Familie und somit auch die Geschichte der Autorin hat vielleicht eine zu lange Einführung, doch wenn man die ersten 40 Seiten gelesen hat, will man doch weiter lesen. Viele Polen, vielleicht nicht alle und auch nicht vollständig, finden in dem Buch ihr eigenes Schicksal beschrieben. Aber nicht nur für sie lohnt die Lektüre. Die deutschen Leser können danach das Verhalten aller „Kowalskis“ in der Bundesrepublik sicher besser verstehen.

Wir Strebermigranten, Emilia Smechowski, 224 S., Hanser Berlin, 22,00 Euro,
ISBN 978-3-
446-25683-5