Wolfsland oder Geschichten aus dem alten Ostpreußen

Über 30 Bücher hat der Autor und Journalist Arno Surminski bislang geschrieben. Romane, Sachbücher und Erzählungen waren dabei – nun steht als Untertitel des neuen Buches „40 Kurzgeschichten“. Surminski greift in den Geschichten historische Ereignisse der letzten rund 600 Jahre auf, die den Menschen in seiner Heimat passierten. Der Überfall der Kosaken, die Pest in Preußisch-Litauen oder das Ende des Zweiten Weltkrieges, die Flucht nach Westen. Verpackt ist die wahre Geschichte in kurzen meist erfundenen Erzählungen mit historischem Kern, die keineswegs immer nur ernst sind. Surminski kann auch sehr lustig werden, zum Beispiel wenn es um die masurische Frömmigkeit geht.
Masuren und Ostpreußen – also seine Heimat – mit diesen Themen ist der Name Arno Surminski untrennbar verbunden. Seit er 1974 sein Debüt mit dem Roman „Jokehnen: oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?“ gefeiert hatte, steckte er in der Schublade der „Heimweh- und Heimatautoren“. „Siegfried Lenz und Günter Grass steckten da nicht mit drin, die alten Ostpreußen und Heimatvertriebenen mochten die nicht so“ sagt er und: „Mir war es damals eigentlich egal, in eine Schublade gesteckt zu werden. Nur die Bezeichnung Heimatvertriebenenschriftsteller oder Heimatdichter, die hat mir nicht gefallen. Das ist eine Einschränkung, die auch nicht dem wahren Inhalt entspricht. Ich habe nie die Meinung vertreten, das ist unsere Heimat und die wollen wir wieder zurück haben. So etwas kommt in meinen Büchern nie vor!“
Damals sei er auch bewusst missverstanden worden von der linken Szene. „Deshalb ist ja bis heute die Bezeichnung Masuren auch so beliebt. Das durfte man sagen. Heimat oder Ostpreußen galt als reaktionär.“

Wenn man aber genau hinschaut, beim Werk des Arno Surminski, findet man durchaus auch viele Bücher, die keinen oder wenig Bezug zu Ostpreußen haben. Surminski war vor seinem Durchbruch als Schriftsteller bei einer Versicherungsgesellschaft beschäftigt und hat beispielsweise Sachbücher zur Geschichte der Versicherung verfasst oder auch seine 4 Jahre Exil in Kanada literarisch in dem Buch „Fremdes Land“ verarbeitet. Das Werk wurde sogar verfilmt. Es gibt Weihnachtsgeschichten aus seiner Feder oder auch heitere Erzählungen aus Norddeutschland – also der neuen Heimat des Arno Surminski.
Selbst heute, wo er ja nach dem EU-Beitritt Polens durchaus könnte, denkt er nicht daran, sich auch nur ein Wochenendhaus in Masuren zu kaufen oder gar zurück zu gehen. „Wir leben in Hamburg und haben ein wunderbares Wochenendgrundstück in Schleswig-Holstein und das möchte ich nicht preisgeben“, erzählt er. Sein Heimweh habe er eigentlich schon recht früh verloren. „Ich war 10 Jahre alt und alleine, denn meine Eltern hatte man nach Russland verschleppt. Ich lebte da auf einem Hof in der Gegend mit einigen anderen Leuten und konnte mein Dorf sehen, wenn ich auf den Baum geklettert bin. Und ich hatte wahnsinniges Heimweh und bin dann dahin gegangen. Und als ich dann dahin kam war Niemand da, es war alles zerstört und kaputt, es lag überall nur Müll rum und das war eine solche Enttäuschung. Da war mein Heimweh verblasen“.

Trotzdem ist Arno Surminski viele Male zu Besuch nach Ostpreußen gereist und wird dies auch in diesem Jahr wieder tun. Im Sommer soll er in Lyck/Ełk an einer Diskussion und einem Seminar teilnehmen, im Oktober in Königsberg und Tilsit Geschichten vorlesen und mit etwa 40 Personen durch die alte Heimat reisen.

Den 40 Kurzgeschichten in „Wolfsland oder Geschichten aus dem alten Ostpreußen“ werden auch schon bald weitere Bücher folgen. Zunächst – geplant ist Anfang 2019 – wird ein historischer Roman über Napoleons Russlandfeldzug erscheinen, der schon fast fertig geschrieben ist. Ideen und Pläne gibt es aber noch für zahlreiche weitere Bücher. Die Poesie der Bibel soll ein Thema sein, eine neue Sammlung von Erzählungen ist in Planung und auch die Geschichte eines Lockführers, der zwischen 1914 und 1950 immer wieder im Dienst anderer Herren seine Lokomotive fahren musste ist schon ausgedacht. An aufhören oder Pension denkt Surminski auch mit über 80 Jahren nicht. „Ruhestand wäre für mich das Todesurteil“ sagt er und fügt scherzhaft hinzu, dass er auch daran denke, zahlreiche Manuskripte zu hinterlassen, wenn er sterben müsse. Immerhin sei seine Frau jünger als er und mit einer solchen Hinterlassenschaft könne er dazu beitragen, dass sie eine bessere Rente bekäme.

Arno Surminski, Wolfsland oder Geschichten aus dem alten Ostpreußen, 40 Kurzgeschichten
ISBN: 978-3-7844-3435-3, LangenMüller Verlag, 2018
Ob das Buch ins Polnische übersetzt wird, steht noch nicht fest.